Freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) in Groß-Gerau und Umgebung

Seit 2020 bietet der NABU im Kreis Groß-Gerau jungen Menschen die Möglichkeit, ein freiwilliges ökologisches Jahr zu absolvieren, um Erfahrungen zu sammeln, tatkräftig mitzuarbeiten und sich persönlich weiterzuentwickeln.

 

Was man beim NABU so alles im FÖJ erlebt, erzählt Malte weiter unten.

Auf den Link klicken, um zu den Berichten von Julia (FÖJ 2021/22) und Charline (FÖJ 2020/21) zu gelangen


FÖJ-Malte 2022/23

Hallo zusammen,

 

Ich bin Malte, 20 Jahre alt und komme aus Seligenstadt. Hier werde ich die nächsten 12 Monate regelmäßig von meinen Erfahrungen und Abenteuern, die ich während meines freiwilligen ökologischen Jahres (FÖJ) beim NABU Groß-Gerau und Umgebung sammeln und erleben darf, berichten.

Ich hoffe ihr habt Spaß beim Lesen und erfahrt außerdem mehr über die ehrenamtliche Arbeit des NABU Groß-Gerau, seine Wirkungsbereiche und den NABU als Einsatzstelle meines FÖJ`s. :D

Ich, am 21.11 bei einem HR-Dreh zum Thema Winterfütterung von Vögeln.


Oktober, Wo man gern mal in die Röhre schaut...

In den letzten 3 Wochen meines FÖJ’s habe ich Vieles erleben dürfen. Es wurden Teiche freigeschnitten,

Hütten gestrichen, Äcker bepflanzt, Feste gefeiert und vieles mehr.

Eine ganz besondere Erfahrung für mich war die Vogelnistkastenkontrolle in Walldorf. Das ist eine dieser

Arbeiten, von denen man gar nicht weiß, dass sie gemacht werden müssen und wie viel Arbeit eigentlich

in ihnen steckt – bis man sie mal selbst gemacht hat. Es sind genau diese Erlebnisse, die meinen Respekt

vor der ehrenamtlichen Arbeit der NABU-Aktiven von Tag zu Tag steigern.

Bis zum Ende des Winters müssen alle Nistkästen kontrolliert und gegebenenfalls gereinigt werden, bevor die Brutzeit wieder beginnt. Wir reden hier jedoch nicht von 20 Kästen auf Schulterhöhe, die vom Waldweg aus leicht zu erreichen sind. Bei unserer Kontrolle haben wir an einem Tag circa 50 Kästen kontrolliert, was nur einen

kleinen Teil aller Kästen ausmacht. Allein in Walldorf, wohlgemerkt. Zudem sind die Kästen meist nur mit

einer Leiter zu erreichen und verstecken sich häufig hinter einer schier unpassierbaren Wand aus

Brombeersträuchern. Wenn man sich dann jedoch zu einem Kasten durchgeschlagen hat, zeigt sich der

unwiderstehliche Reiz dieser Arbeit: Man weiß nie, ob man gleich von den zwei großen,

schimmernden Augen eines Gartenschläfers verwirrt aus dem geöffneten Kasten angeblinzelt wird, der

Nistplatz von einem dumpf summenden Hornissenvolk in Beschlag genommen wurde oder ein

verlassenes Meisennest samt unausgebrütetem Ei den Kastenboden bedeckt. Die Kontrolle jedes

einzelnen Kastens verspricht somit Spannung und macht aus der scheinbar mühsamen Arbeit eine

interessante und unterhaltsame Erfahrung.

Nistkastenkontrolle auf dem Walldorfer Friedhof.

Vogelnest mit unausgebrütetem Ei.


Ein weiteres tolles Erlebnis war der Dreh des Hessischen Rundfunks in Büttelborn. Ein dreiminütiger

Beitrag über das Bruchwiesenprojekt sollte noch am selben Tag um kurz nach sieben in „alle wetter“

gesendet werden, weshalb Eile geboten war. Natürlich war der Büttelborner Bieber ein Thema des

Drehs, im Mittelpunkt des Beitrags standen jedoch die zotteligen Galloway Rinder, die die Bruchwiesen

bevölkern. Die Beweidung durch die Rinder tut der Landschaft sichtlich gut und fördert zudem die

Artenvielfalt. Auch über den 5000 Euro schweren Gewinn des Bruchwiesen-Projektes bei der

Umweltlotterie wurde gesprochen. Der NABU will hiervon weitere Flächen der Bruchwiesen erwerben,

um die Natur zu schützen und zu pflegen. Außerdem kann ich endlich von mir behaupten, dass ich schon

mal im Fernsehen war (wenn auch nur für zehn Sekunden).

Der Kreisvorsitzende Bernd Petri war natürlich auch mit von der Partie.

Projektleiter Stefan Leimbach vor der Kamera.


Auf den Social-Media-Kanälen des NABU Groß-Gerau war ich in letzter Zeit auch nicht ganz untätig. In

den vergangenen vier Wochen habe ich wöchentlich einen Beitrag zu Umweltschutzthemen auf

Instagram als Grafik und auf der Homepage als Artikel veröffentlicht. Die Reihe „Umweltschutz zum

Selbermachen“ soll den Umweltschutz direkt in die vier Wände der Leser und NABU-Mitglieder bringen

und mit einfachen, aber effektiven Tipps zum selbstständigen Naturschutz motivieren. Dabei drehen sich

die Beiträge um die Themen Energie, Garten, Konsum und Emissionen. Themen mit zentraler Bedeutung

für den Umwelt- und Klimaschutz weltweit.

Langsam habe ich das Gefühl, auch etwas zum Umweltschutz in dieser Region beizutragen, und ich

beginne zu verstehen, warum die vielen ehrenamtlichen Mitglieder des NABU diese riesige Menge an

Engagement und Bereitschaft aufbringen, um den Umweltschutz am Leben zu halten und

weiterzubringen. Ich freue mich auf den November als Naturschutzmacher beim NABU Groß-Gerau und

hoffe, dass ihr viel Spaß beim Lesen hattet:)


September, Lieber die Eule in der Hand...

Nachdem ich die letzte Woche auf dem FÖJ-Seminar in Bad Homburg verbrachte, konnte ich diese Woche wieder vor Ort mit anpacken – und das gleich bei einem Highlight. Nistkastenkontrolle in Riedstadt und Umgebung stand auf dem Plan. Ehrlich gesagt habe ich mich noch nie wirklich intensiv mit Eulen beschäftigt, weshalb ich mich sehr auf diese neue Erfahrung freute. Und ich wurde nicht enttäuscht. Neben vielen, vielen Informationen über die Eulen der Region durfte ich schließlich zum ersten Mal ein solches Exemplar streicheln (weicher als Daunenkissen).

Foto: Malte Korbach / NABU

Foto: Malte Korbach / NABU


Ein Thema der Exkursion waren auch die zahlreichen Gefahren, denen Steinkauz und Co. ausgesetzt sind, wobei hier die Gefahr aus der Luft durch Greifvögel keine besonders große Rolle spielt, da sich die hier lebenden Jäger der Luft, wie beispielsweise der Turmfalke, eher auf kleinere Beute spezialisiert haben. Die Gefahr von unten ist deutlich höher. In ihren Nestern sind sie gefundenes Fressen für Marder, weshalb die vom NABU aufgehängten Kästen und Röhren eine Vorrichtung besitzen, welche es den Mardern unmöglich macht, in die Nester zu gelangen.

Foto: Malte Korbach / NABU

Foto: Malte Korbach / NABU


Ein sehr informativer und spannender Tag. Die Eulen werden mich so schnell nicht los.


September, Zwischen "Drecksarbeit" und süßen Äpfeln

Nachdem ich mich an meinem ersten Tag erstmal mit Arbeitslaptop und -handy vertraut gemacht hatte, ging es am Freitag auch schon direkt richtig los: Landschaftspflege im „Nassen Tal“ in Möhrfelden-Walldorf zusammen mit Ruth Ortwein, welche sich seit Jahren aufopferungsvoll um das Gebiet und seine Bewohner kümmert und es sogar hin und wieder vor grilllustigen Teenagern verteidigen muss.

Das Highlight des Tages war zweifellos die Entschlammung des Teiches - "Drecksarbeit" im wahrsten Sinne des Wortes - und die damit einhergehende Entdeckung des ein oder anderen sonderbaren Gegenstandes, welcher aus den Tiefen des Schlammes ans Tageslicht befördert wurde.

Zudem wurden Baumstämme zersägt, geschleppt und eingesetzt und ich erfuhr vom „Ameisenlöwen“, einem mir bislang unbekannten und seltenen Tier, an dem der Name erstaunlicherweise noch am uninteressantesten erscheint, wenn man sich genauer informiert und welches im „Nassen Tal“ beheimatet ist. 

Wer genaueres über dieses Tier erfahren will: Hier ein Artikel vom NABU.

Bild: Ruth Orthwein / NABU

Bild: Ruth Orthwein / NABU



Nach diesem anstrengenden aber auch aufschlussreichen und spannenden Tag hieß es am Samstag Äpfel ernten. Dazu versammelten sich die freiwilligen Helfer bei strömendem Regen auf einer Obstwiese. Dank der großen Anzahl an Helfern und des aufklarenden Wetters war die Arbeit nach knapp zwei Stunden erledigt und 12 große, mit Äpfeln gefüllte Säcke traten ihre Reise in die nahegelegene Kelterei Hartmann an, wo sie zu ca. 250 Litern Bio-Apfelsaft verarbeitet wurden.

 

 Die ersten Tage waren also bereits sehr ereignisreich und ich freue mich auf unzählige weitere spannende Tage beim NABU Groß-Gerau.